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22.03.2019

Welche Unterstützung benötigen Gruppen des Gemeinwesens?

Ergotherapie-Studierende der hsg Bochum trafen im Wintersemester 2018/2019 Mitgliedervertreter der Baugenossenschaft Bochum eG und befragten sie nach ihren Wünschen für eine bessere Nachbarschaft. Foto: hsg

In einem dreiwöchigen Wahlmodul mit dem Titel ‚community based health care‘ haben Studierende des Bachelor-Studiengangs Ergotherapie der Hochschule für Gesundheit (hsg Bochum) Grundsätze, Prozesse, Methoden und Ansätze der gemeinwesenorientierten Ergotherapie in Deutschland kennengelernt.

„In dem Wintersemester 2018/2019 haben wir erstmalig das Thema ‚Ergotherapeutische gemeindenahe Versorgung‘ in ein eigenes Wahlmodul überführt“, erklärte Prof. Dr. Philipp Eschenbeck, Modulverantwortlicher und Leiter des Studiengangs Ergotherapie der an der hsg Bochum.

Durch eine Kooperation mit der Baugenossenschaft Bochum eG erhielten die Studierenden des fünften Semesters im Oktober 2018 und im Januar 2019 die Möglichkeit, gemeinsam mit den Mieter*innen eines Ballungsraumes aus 163 Wohnungen in acht Häusern einen Prozess mitzugestalten. Es ging darum, zunächst zu identifizieren, welche Betätigungs- und Gesundheitsfragen für die Bewohner*innen der Häuser und Wohnungen der Baugenossenschaft im Germanenviertel in Bochum-Wattenscheid wichtig sind und in der Folge wie die Rahmenbedingungen verbessert werden können.

„Ergotherapeut*innen arbeiten mit verschiedenen Communitys und Gruppen, also zum Beispiel auch mit Gruppen des Gemeinwesens, und helfen bei der sozialen Inklusion von Menschen“, erläuterte Katja Rösing, die durch das Wahlmodul geführt hat. An der hsg Bochum ist sie Lehrkraft für besondere Aufgaben im Studienbereich Ergotherapie.

„Nehmen wir das Beispiel der Baugenossenschaft Bochum, die zahlreiche Häuser und Wohnung vermietet. Wir haben uns mit unseren Ergotherapie-Studierenden angeschaut, welche Unterstützung die Mitglieder dieser Genossenschaft benötigen, um besser und gesund zusammenleben zu können. Die Studierenden haben erarbeitet, wie das Umfeld der Mieter*innen verbessert werden kann“, so Rösing.

Ergotherapeut*innen strukturieren den Prozess, in dessen Verlauf unter anderem Kontextfaktoren, wie zum Beispiel die Frage, wie das Umfeld räumlich umgestaltet werden kann, analysiert werden, Bildungsprozesse begleitet und Netzwerke entwickelt werden. Sie bringen fachspezifisches Wissen zum Beispiel in Form von Reflexionsmethoden ein, wenn dies gefragt ist.

Für das Modul konnten Philipp Eschenbeck und Katja Rösing die Expertin und Wissenschaftlerin Dr. Sandra Schiller von der Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen als Gastdozentin gewinnen. Sie hatte anhand eigener durchgeführter Projekte die Aufgabe der Ergotherapeut*innen erläutert und darauf hingewiesen, wie die Mitglieder der Communitys zum selbständigen Handeln befähigt werden und wie sie in die inhaltlichen Fragen des Prozesses einbezogen werden können.

Aufgrund einiger inhaltlicher Überschneidungen zum Studiengang ‚Gesundheit und Sozialraum‘ der hsg Bochum hatte Katja Rösing den Studierenden erläutert, in welchen Fällen es um Handlungen geht, die Ergotherapeut*innen begleiten können, und wann es um den Sozialraum geht. Daniel Simon, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Department of Community Health der hsg Bochum, hatte den Studierenden zwei Projekte vorgestellt, in denen es um eine Sozialraumanalyse ging.

Bei einem Ortstermin empfing Annette Mast, studierte Sozialarbeiterin und Ansprechpartnerin für die Mitglieder der Genossenschaft, zunächst die Studierenden und informierte sie über die Strukturen des Germanenviertels und über ihre Arbeit, in der die Förderung des Miteinanders im Mittelpunkt steht.

Daraufhin entwickelten die Studierenden Fragebögen, um die Anliegen der Bewohner*innen des Germanenviertels zu erheben. In einem gemeinsamen Termin mit den Vertreter*innen der Mitglieder der Baugenossenschaft entwickelten die Studierenden die nächsten Schritte, um den Wünschen der Befragten nachzukommen.

In den Gesprächen mit den Studierenden vor Ort habe sich herausgestellt, dass einige Menschen in der Siedlung den verloren gegangenen Gedanken der Genossenschaft bedauerten und gern wieder aufleben lassen würden, berichtete Katja Rösing. Es gebe ältere, alleinstehende Menschen und Mieter*innen mit körperlichen Einschränkungen, die sich mehr Kontakt zu den Nachbarn wünschten.

Die Studierenden trugen als wichtigste Ergebnisse zusammen, dass die Befragten mehr genossenschaftliches Miteinander in Form einer Nachbarschaftshilfe und in Form von Gemeinschaftsaktionen wünschen. Ziel ist es nun, ein Netzwerk zu bilden, um den Genossenschaftsgedanken zu leben. Rösing: „Mit einem gemeinsamen Fest soll der Startschuss für ein Netzwerk der Community ‚Germanenviertel‘ fallen. Einige Mieter*innen hatten sich zudem einen Gemeinschaftsraum für verschiedene Treffen gewünscht.

„Studierende, die in dem Modul mitgewirkt haben, freuten sich darüber, in einem für Deutschland innovativen Arbeitsfeld mitwirken zu können, das auf Vorbilder in anderen Ländern, wie zum Beispiel aus dem angloamerikanischen Raum oder aus Schweden und Brasilien zurückgreifen kann“, sagte Rösing.

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